Nonspekulatives
Aktienvergnügen ![]()
Historische Wertpapiere oder auch "Nonvaleurs" genannt, ( nennwertlose
Aktien, Anleihen und Finanzdokumente) sind an der Börse out und bei
Sammlern in.
Diese merkantilen Antiquitäten waren lange Zeit ein Abfallprodukt der
Wirtschafts- und Finanzgeschichte. Sie ruhten in Schatullen, Schubladen und
Dachböden als teils wehmütige Erinnerung an frühen Besitz oder
gar Reichtum vieler Familien. Seit nun rund 20 Jahren haben sie ihren Dornröschenschlaf
beendet, denn Sammler und Liebhaber haben den Wert dieser Dokumente der Vergangenheit
neu entdeckt und verhelfen ihnen heute zu später Rehabilitation.
Erste
Anfänge werden dem Sammler Mr. Haseltine zugesprochen, der ab
1876 die wertlosen Anleihen der Konföderierten Staaten, mit denen
der amerikanische Bürgerkrieg finanziert wurde, aufhob und sammelte.
In den 1880er Jahren gab der Wallstreet - Broker Roland M. Smythe seinen
Beruf auf, um sich ausschließlich den alten Wertpapieren zu widmen
und mit ihnen Handel zu treiben. Er orakelte in einem Interview der New
York Herald Tribune vom 24. März 1929:
"Die Leute werden Abertausende von alten Wertpapieren kaufen und sie in der Hoffnung behalten, dass sie in ihren Händen zu Gold werden. Was immer sie damit machen, abgeben werden sie sie nie."
Smythe , der "Händler mit den gebrochenen Träumen" (New York Herald Tribune), erlebte den Durchbruch nicht mehr, sein Name allerdings lebt weiter in einem der bedeutendsten Auktionshäuser der USA für Nonvaleurs " R.M. Smythe & Co. Inc." mit Sitz am Broadway 26. - unter dieser Adresse firmierte übrigens früher die große Standard Oil John D. Rockefellers in New York - geführt von Diana und John E. Herzog. Herzog zählt ebenfalls zu den ersten Sammlern und ist Gründer des "Museums of American Financial History, New York" .
Spektakuläre Erwerbungen des Museums am Broadway sind u.a. ein Finanzdokument der Bank of New York von 1791 mit der Originalunterschrift von Alexander Hamilton ( Sotheby's, $ 20.800) und eine äußerst frühe Anleihe von 1780 mit der Originalunterschrift von Benjamin Franklin (Tschöpe, DM 22.500) und im Januar 2000 eine Aktie der Pullman's Car Company mit der Originalunterschrift des großen Schlafwagenbauers George Mortimer Pullman als President, eingetragen auf und rückseitig original unterschrieben vom Stahltycoon Andrew Carnegie für $ 77.000.
In Deutschland gebührt der Anspruch des Ursprungs dem Finanzjournalisten Dr. Heinz Brestel und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Hier hingen die Pretitiosen bereits in den 1960er Jahren gerahmt an den Wänden, woraus sich ein lebhafter Tausch entwickelte. Bereits Ende 1971 wurde von Brestel, der seinerzeit bereits stolzer Besitzer einer Privatsammlung von rd. 400 Historischen Wertpapieren war, der weltweit erste aktuelle Kurszettel für Historische Wertpapiere veröffentlicht.
1975 fanden erste Auktionen in Deutschland der Firmen Haas in Asperg
und Leck in Frankfurt statt. Das "Historic-Actien-Museum" eröffnete
als erstes in der Welt 1976 in Kürnbach. Es folgten 1977 die Auktionen
der "Freunde Historischer Wertpapiere" in Frankfurt, die neben
dem Auktionshaus Tschöpe (ab 1980) bis heute kontinuierlich mindestens
2 x jährlich öffentliche Auktionen in Deutschland veranstalten,
erstere in Kombinationen mit einem internationalen Händler- und Sammlertreffen
in Frankfurt, das Haus Tschöpe verauktioniert traditionell in Düsseldorf
und setzte von Anfang an auf Transparenz. Detlef Tschöpe begann als
erster, die Auktionslose neben der Firmengeschichte auch mit jeweiliger Abbildung
und Rasterbeschreibung ( Stücknummer, Auflage, Erhaltung u. Verfügbarkeit)
zu versehen.
Das Sammelgebiet der Scripophily ( diese Wortschöpfung hob die
Londoner Times mit einem Preisausschreiben 1978 aus der Taufe) hat inzwischen,
von Deutschland ausgehend, eine enorme internationale Verbreiterung erfahren.
Händler und Auktionshäuser gibt es außer in Deutschland auch
in England, Frankreich, Österreich, Belgien, Holland, Schweden, Spanien,
Portugal, der Schweiz und den USA.
Informationen bieten zudem neben dem viermal im Jahr erscheinendem international
berichtenden Scripophily Journal Katalogisierungen (Suppes, GET) und diverse
Buchveröffentlichungen.
Jakob Schmitz, Sammler und Autor diverser Publikationen schreibt 1982 in seinem
nach wie vor aktuellem Buch "Historische Wertpapiere" , das bis heute
eine hervorragende Information für Einsteiger ist :
"Wer zurückstrebt zu den Wurzeln- fragend, suchend, forschend,
vertraue sich den Historischen Wertpapieren an.
Sie sind ein Schlüssel zur Geschichte."
Professor
Dr. Udo Hielscher (Universität Leipzig) dokumentiert in seinem Buch
Historische Amerikanische Aktien den Aufstieg der USA zur Weltwirtschaftsmacht
anhand von amerikanischen Autographenaktien. Neueste Erscheinung ist die
2., überarbeitete und erweiterte Auflage des Buches: Die
Finanzierung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und die Ursprünge
von "Wall Street". Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 2000.

Nach
zweijähriger Vorbereitung liegt nun die gedruckte, überarbeitete
Ausgabe des Buches in englisch vor.
Herausgegeben vom Museum of American
Financial History, New York
Hielscher, Udo : Financing THE AMERICAN REVOLUTION
Anfang Februar 2003 wurde das Werk im Rahmen des Scripophily-Events der
Fa. R.M. Smythe in Strasburg (Pennsylvania) den anwesenden amerikanischen
und internationalen Händlern und Sammlern im Rahmen einer Autogrammstunde
mit großem Erfolg vorgestellt. Die Abbildung zeigt in Vordergrund links
Professor Dr. Udo Hielscher,der sein Buch signiert, rechts Dr. Douglas B.
Ball, Historiker mit dem Spezialgebiet Südstaaten der USA und Autor
diverser Publikationen, u.a. "Comprehensive Catalog and History of Confederate
Bonds" und "Financial Failure and Confederate Defeat".
Dr. Douglas B. Ball, Freund und Mitarbeiter des Hauses R.M.Smythe in New York,
verstarb für uns völlig überraschend, am 13. März 2003.
Der Scripophylie-Markt hat einen großen Förderer und profunden Kenner
verloren, dessen Bücher aber weiterhin eine große Bereicherung unseres
Sammelgebietes bleiben werden.
Der Schweizer Alexander Kipfer schreibt über die "Königlichen Spanischen Handelsgesellschaften" . Dieses Buch gibt ausführlichst Auskunft über die spanischen Inkunabeln des 17. und 18. Jahrhunderts.
Mittlerweile gibt es allein in Deutschland 6 Auktionsveranstalter, einen
regen Fachhandel. Was aber fasziniert die Käufer, Sammler, Liebhaber
an diesen Papieren?
Jakob Schmitz zitiert in seinem Buch über Historische Wertpapiere "Don
Joseph de la Vega", der vor rund 300 Jahren die ersten Amsterdamer Aktionäre
folgendermaßen beschrieb:
"Wer einmal Aktien handelt, der tut es oftmals.. Wo diese Leute stehen und gehen, da sind Aktien der stete Gegenstand ihres Denkens und Sprechens. Wenn sie essen, sind die Aktien ihr Tischgespräch, und selbst im Schlaf träumen sie von Ihnen"
Und nicht anders ergeht es den Sammlern der Wertpapiere heutzutage. Für
sie sind es denn auch nicht nur zeithistorische Dokumente der damaligen Kapitalbeschaffung
an den internationalen Finanzzentren, sondern vielmehr bleibende Erinnerungen
an eine Zeit, in der z. B. Erfindungen oder revolutionierende Ideen, gewürzt
mit Abenteuergeist oftmals zu Pioniertaten führten, die zum Teil die
Grundlagen für unseren heutigen Fortschritt bilden.
Als das erste Beispiel einer AG-ähnlichen Gesellschaft wird die "Banca
di San Georgio" in Genua bezeichnet, die 1407 ins Leben gerufen wurde
und lange Zeit als einzig in ihrer Art dastehende Diskonto- und Zettelbank
arbeitete, 7 % Obligationen zur Deckung der Staatsschulden ausgab und ihre
Schuldner bereits 1419 zu Anteilseignern machte.
Eine neue Epoche in der Finanzgeschichte wurde mit der "Erfindung" der
privaten Kapitalgesellschaften eingeleitet.
Das Jahr 1602 kann als das Geburtsjahr der Aktiengesellschaften angesehen
werden: In diesem Jahr hat die Niederländische Vereinigte Ostindische
Kompanie erstmalig nicht nur Provinzen und Städte sondern auch das breite
Publikum an ihren Geschäften in Form von Aktien beteiligt.
Den eigentlichen Anfang machten die Amsterdamer Pfeffersäcke, jene Gewürzhändler, die schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts jährlich bis zu 70 Schiffe dorthin schickten, wo der Pfeffer wächst, nämlich nach Indonesien.
Zahlreiche Firmen stiegen in den gewinnbringenden Gewürzhandel ein und die größten unter Ihnen schlossen sich dann Anno 1602 zur heute legendären "Vereinigten Ostindischen Handels-Kompanie" zusammen, die bald zum Vorbild vieler, ähnlicher Gesellschaften wurde und noch heute als Mutter der Aktiengesellschaft bezeichnet wird.
Eine
von bisher lediglich zwei bekannten Originalaktien der VOC aus dem Jahre
1606, ausgestellt von der Kammer Hoorn, hängt heute wohlbehütet
in der Börse von Amsterdam. Die älteste Aktie der VOC (älteste
bekannte Aktie der Welt) wurde ausgeben von der Kammer Amsterdam, datiert
auf den 27. September 1606 und befindet sich in Privatbesitz. oldestshare.com
Die VOC wurde das Vorbild für zahlreiche, gleichartige Gesellschaften des siebzehnten Jahrhunderts, gilt sie doch als erste Aktiengesellschaft moderner Prägung. Ähnliches gilt für die englische East India Compagnie. Sie besaß schon im Jahr 1600 ein Privileg der englischen Krone, nahm aber erst 1613 die Gestalt der Aktiengesellschaft an und fand 1858 ihr Ende. Der VOC brachte die wachsende Konkurrenz der englischen East India Compagnie, und der Krieg mit England (1780-84) , aber auch Fehler in der Verwaltung schließlich nach nahezu 200 Jahren am 31.12.1799 das Ende.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann in England, ab 1800 in Frankreich und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Preußen in größerem Maße die Gründung von Aktiengesellschaften. (mehr Informationen zur Industriellen Revolution in Grossbritannien hier)
Gründeraktie
der 1. Dampfeisenbahn der Welt
eine der scripophilen Raritäten
ersten Ranges:
THE STOCKTON & DARLINGTON RAILWAY COMPANY
Die erste deutsche Aktiengesellschaft wurde von dem "Großen
Kurfürst von Brandenburg" errichtet, der am 17. März 1682 mit
dem Edikt wegen Octroyirung der aufzurichtenden Handels-Compagnie auf den
Küsten von Guinea die "Brandenburgisch Afrikanische Compagnie",
die an der afrikanischen Küste mit Pfeffer, Elefantenzähnen, Gold,
Sklaven oder was auch sonst zu negotiiren und freies Gewerbe treiben sollte.
Es folgten die Habsburger mit der 1719 gegründeten Orientalischen Gesellschaft
diverse Versicherungsgesellschaften der Hansestädte, 1765 in Preußen
die Berliner Assekuranz, 1770 die Priv. Breslauer Zucker Raffinerie, u.a. 1793
die Berliner Zuckersiederei.
Die Daten entsprechen der Industrialisierung in diesen europäischen Ländern. Die Finanzierung wurde über Großbankiers aus dem Privatvermögen der Bürger finanziert.
Vor 1850 herrschte in deutschen Landen noch so eine Art Kreditlosigkeit, denn nur wenige waren bereit, ihr Geld zu verleihen bzw. in die noch relativ unbekannte Form der AG zu investieren. So schrieb den auch der preußische Staatsminister Rother in einem Bericht an den König:
"Die Kapitalisten sind hier nicht geneigt, industrielle Unternehmungen gehörig zu würdigen."
Friedrich
II., der Große (1712 - 1786), der nach den schlesischen
Kriegen gegen Maria Theresia (insgesamt drei und nach dem letzten, dem
siebenjährigen Krieg) zwar als Sieger auf dem Papier stand, Schlesien
jedoch einem Trümmerhaufen glich, schickte am 29. August 1769 seinem
Etatminister die königliche Cabinettsorder, die Wiederherstellung
des Landschaftlichen Credits betreffend, mit dem Befehl zur Gründung
der "Schlesischen Landschaft". So schuf er weitsichtig den Pfandbrief,
der in kleinen Beträgen gestückelt war, sodass auch weniger vermögende
Bürger ihr Geld zinsbringend anlegen konnten. Da die Schlesische Landschaft
(also alle Gutsbesitzer mit ihren Ländereien) hafteten, war die Beschaffung
von Bargeld kaum mit Schwierigkeiten verbunden.
Die Einführung des Pfandbriefes wurde zugleich eine der wichtigsten
Voraussetzungen für den Städtebau des 19. Jahrhunderts, der mit
beginnender Industrialisierung immer dringlicher wurde. Diese Pfandbriefe
wurden aus Schweinshaut gefertigt und weisen neben Originalunterschriften
des Landadels auch Zinsstempelungen bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf.
Sie waren es u.a. dann auch, die als erste Papiere zur Eröffnung der
Berliner Börse gehandelt wurden.

Schlesische Landschaft Pfandbrief ausgegeben in Breslau am 24. Mai 1772, Druck
auf Tierhaut
Erst
als Preußen im Jahre 1870 auch die staatliche Genehmigungspflicht für
Gründungen von Aktiengesellschaften aufhob, setzte in Deutschland eine
Gründungswelle ein, die heute als berühmt-berüchtigte "Gründerzeit" in
die Geschichte einging.
Innerhalb von nur 5 Jahren wurden mehr als 900 Aktiengesellschaften gegründet
und fast 4,5 Milliarden Mark aus dem Sparstrumpf geholt. Auch die von Frankreich
an Deutschland gezahlte Entschädigung für den verlorenen Krieg von
1870/71 trug erheblich zur Belebung der deutschen Wirtschaft bei.
Moser, der mit seinen Büchern "Kapital und Rente" über die Kapitalanlage in Wertpapieren ab 1862 auch Finanz-und Wirtschaftshintergründe beschrieb, zitierte den Zeitgeist jener Jahre:
"Aus der Sylvesterbetrachtung eines gediegenen Gründers: Noch 10 solche Jahre wie 1872, dann wälze ich mich in Millionen!!"
Nur, viele dieser Gründungen dieser Zeit gingen nach nur wenigen Jahren in Konkurs, bzw. kamen über das Gründungsstadium nicht hinaus.
Daneben
gaben die Länder und Provinzen, die Gemeinden und Städte Anleihen
heraus, mit denen sie die Hoheitsaufgaben, die Arbeiten für die Infrastruktur
u.v.a.m. erfüllen konnten.
Aber nicht nur im Inland, auch im Ausland wurden Anleihen in Europa aufgelegt und Aktien an den Börsen eingeführt. Die berühmte Transsibirische Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok und Charbin wurde vornehmlich mit dem Kapital französischer und deutscher Sparer finanziert.
Eines der Hauptmotive für den Sammler ist die oft hinreißend schöne Gestaltung der Nonvaleurs, große Künstler und Kupfer- bzw. Stahlstecher wurden hier engagiert, Kunstepochen spiegeln sich auf diesen Dokumenten wieder vom Historismus , dem Jugendstil, Art Deco bis hin zum fälschungssicheren Gouillochendruck der heute eher schlicht gehaltenen Exponate, wie auch die plastische Darstellung von Fabrikanlagen, Eisenbahnzügen, die große Mauer von China, Urwaldszenen mit schwarzen Arbeitskräften oder Panoramen.
Die
größte Aktie der Welt wurde in Spanien gedruckt:
La Compania de Reales Diligencias (Königliche Kutschengesellschaft)
Eingetragen auf Prinzessin Donna Isabel Luisa, spätere Isabella II
von Spanien;
Originalunterschriften der Direktion; Maße: 68 X 52 cm; Lithographie:
39,5 X 22 cm.
Ausgegeben am 28. März 1831 als Vorzugsaktie;
Auflage: 12 Exemplare, alle auf die königliche Familie ausgestellt.
Und
die kleinste Aktie in Deutschland
Kaoko Land- und Minengesellschaft Anteil über M 200;
Berlin, 20. September 1895;
Maße: 6,5 X 10,5 cm, dazu gehört ein im Verhältnis riesiger
Couponbogen.
Ein geflügeltes Wort besagte seinerzeit:
" Je schöner die Aktie, desto dringender braucht die Gesellschaft Geld".
Gedruckt wurde nach Entwürfen von Künstlern wie Alfons Mucha, Bordallo-Pinheiro, Paul Couchie, Montald, O. Eckmann, A.P. Weber, Johann Baptist Sonderland u. T. Mintrop (letztere Düsseldorfer Malerschule) bis hin zum "DA DA" Papier Bond Roulette de Monte Carlo.
Bond
Roulette de Monte Carlo (Replice # 12)
20%ige Obligation über Frcs. 500; # 12; Paris, 1. November 1924;
Die Anleihe zeigt - nach einem Foto von Man Ray - das Gesicht des französischen
DaDaisten Marcel Duchamp (1887-1968 ) mit Seifenschaum bedeckt und mit
Faunshörner gekrönt. Das Gesicht ist umrahmt von den Fächern
eines Roulettespiels.
Gezeichnet ist die Anleihe von Rrose Selavy, einem Synonym Duchamps
als Präsident der Gesellschaft und von dem Verwaltungsbeamten Marcel Duchamp.
Zweck der Gesellschaft war die Ausbeutung der Spielbank von Monte Carlo. Duchamp
fuhr mit Geldern, die er sich von engsten Freunden geliehen hatte, nach Monte
Carlo, um dort die Bank zu sprengen.
Das Glück war ihm allerdings nicht hold, allerdings verlor er auch nichts
und zahlte im Dezember 1925 eine Dividende von Frcs. 50 auf die seinerzeit 30
ausgegebenen Obligationen. Die meisten dieser Originale sind verloren gegangen.
Ein Exemplar befindet sich im Philadelphia Museum of Art.
1938 wurde eine 2.000er Auflage mit dem Originaldruckstock nachgedruckt, die
der Zeitschrift XXCicle beigelegt wurden. Die Kupons tragen alle die Nummer
4.
1944 wurden von dem Mailänder Verleger Arturo Schwarz in der Box en Valis
Miniaturrepliken und Farbproduktionen Duchamps zusammengestellt. Die Auflage
dieser Schachteln betrug 334 Exemplare.
1962 signierte Duchamp eine nummerierte Auflage von 100 Obligationen des Monte
Carlo Bonds, die in einer bibliophilen Veröffentlichung seines Mailänder
Galeristen Arturo Schwarz über die Ready Mades beigelegt wurden. Die hier
reproduzierten Bonds trugen alle die Nummer 12.
Am 2. Oktober 1968 verstarb in Neuillysur-Seine der bedeutende Maler und Kunsttheoretiker.

Der Künstler Andreas Paul Weber (1893 - 1980) begann in der Zeit
des 1. Weltkrieges mit Lithographien, aber auch Zeichnungen und Karikaturen
in Soldatenzeitungen. Schwerpunkt nach dem 1. Weltkrieg waren Buchillustrationen,
Kalendergestaltungen, Federzeichnungen und Ölmalereien. Als er sich dem
Widerstand um Ernst Niekisch anschloss, hatten seine Arbeiten überwiegend
politischen Inhalt. So gestaltete er z.B. die Schuldverschreibungen des Deutsch-Nationalen
Handlungsgehilfenverbandes, genannt Kapitalschatz für deutsche Arbeit.
Auf diesem Gewerkschaftspapier stellte er in den 20er Jahren erstmals den Arbeiter
in den Vordergrund eines Wertpapiers, während die Kuponbögen einzeln
mit den unterschiedlichsten Motiven der Kaufmannschaft versehen wurden, in
dieser Form sonst auf keinem Wertpapier zu finden.
Dem
belgischen Maler und Architekten Paul Cauchi (1875 - 1952) verdanken
die Scripophilisten die Gestaltung zweier Aktien im feinsten Jugenstil, der "Hortus" -
die Gesellschaft stellte in Genval (einer Kleinstadt nähe Brüssel)
Gewächshäuser für Nutz- und Zierpflanzen her und betrieb sie
- und der Compagnie des Eaux Minerales de Genval Société Coopérative.
Mit einem Grundkapital von bFr. 12.500, aufgelegt in Anteilscheinen zu je
bFr. 25,- wurde das Wasser des Brunnens "Bonnes Fontaine", auf
dem Marktplatz von Genval gelegen, kommerziell mit der Schutzmarke d'Eaux
Minerales Belges vermarktet. Die von Paul Couchi signierten Anteilszertifikate
gehören heute zu den großen Raritäten mit Preisen im fünfstelligen
Bereich.
Kein
Geringerer als der berühmte belgische Maler Constant Montald (1862
- 1944) wurde 1919 von den Gründern der Banque d'Outremer, die Belgiens
Macht in Übersee finanzierte und 1928 auf die Société Générale überging,
beauftragt, die Aktienzertifikate zu gestalten. "Es entstand eine Aktie,
aber auch ein Kunstwerk im Stile des Brüsseler Symbolismus mit einem
der Antike entlehnten Motiv: Gott Hermes ermutigt mit einladender Gebärde
zur Fahrt auf dem Meere. Die Schätze, die das Füllhorn bereithält,
winken als Lohn." Quelle: Jakob Schmitz/ Aufbruch auf Aktien.
Die
Gründeraktie der Slovakischen Großeinkaufs Aktiengesellschaft
von Trnava (Tyrnau) ist ein gelungenes Beispiel für die Thematik
der kunstvollen Aktien auf den osteuropäischen Ländern, gestaltet
von A. Kratky ( in der Druckplatte signiert, gedruckt bei V. Neubert, Smichov).
Errichtet wurde die AG am 10.10.1919 mit einem Grundkapital von Kronen 500.000,
aufgelegt waren lediglich 500 Aktien. Die Bäuerin in Landestracht,
gefüllte Körbe mit Produkten des Landes, im Hintergrund die Silhouette
von Pressburg, (Kl. Karpaten), alles symbolisiert den Zweck der Gesellschaft.
Diese übernahm bei der Gründung das Lager der Lundenburger Großeinkaufsgesellschaft
mbH und betrieb den Einkauf im Großen und Verkauf an die Kleinkaufleute
der westlichen Slowakei. 1920 wurde das Aktienkapital erhöht auf jetzt
tschechische Kronen 5.000.000. Durch den Vertrag von Pittsburgh 1918 (USA)
wurde dem Land Autonomie innerhalb eines zu schaffenden tschechoslowakischen
Staates zugesichert, 1920 wurde die Slowakei völkerrechtlich von Ungarn
abgetrennt, die versprochene Autonomie aber erst 1938 von der Tschechei zugesichert.
1925 ging das Unternehmen in Konkurs. Geblieben sind einige wenige Exemplare
der Gründeremission.
Das
Certificate of the United States of America Centennial Board of Finance City
of Philadelphia, 7. Januar 1876 ist ein Paradebeispiel für die von
den amerikanischen Wertpapierdruckereien perfektionierte Stahlstichkunst.
An den Vignetten zur Verschönerung der amerikanischen Wertpapiere
arbeiteten die Stecher teils monatelang und signierten dementsprechend
ihre Werke. Der Stahlstich löste den vorher benutzten Kupferstich
ab, da mit diesen Platten nur ein begrenztes Kontingent gedruckt werden
konnte und bei höheren Auflagen neue Druckplatten angefertigt werden
mussten.
Die Centennial-Gesellschaft führte Ausstellungen und Veranstaltungen zur 100
Jahrfeier der Vereinigten Staaten von Amerika durch und finanzierte dieses
mit der Ausgabe ihrer Zertifikate. Das Kapital betrug $ 10,0 Mio. und war in
Shs. zu je $ 10 eingeteilt. Das Aktienbild (Originalgröße 50 X 60
cm) zeigt in wundervoller Graphik den Werdegang der großen Industrienation
in den Jahren 1776-1876. Abgebildet als Büste die Präsidenten Washington
und Grant, daneben symbolhaft für das Völkergemisch orientalische
und schwarze Amerikaner, Indianer, Soldaten, Seemänner, Landwirte und
verdiente Männer der Nation wie Morse, Franklin, Fitch, Fulton und Howe.
Die untere große Vignette zeigt die Unterzeichnung der "Declaration
of Independence".
Die Preise der "Nonvaleurs", gestalten sich, wie an der
aktuellen Börse, durch Angebot und Nachfrage bzw. wirtschaftshistorische
Bedeutung und Verfügbarkeit der einzelnen Exponate.
Diese Zusammenhänge werden in dem jetzt vorliegendem Buch "Aufbruch
auf Aktien", Weltwirtschaft auf Wertpapieren, Band I (England, Irland,
Frankreich, Belgien, Luxemburg) einer geplanten Serie von Jacob Schmitz, meisterlich
vermittelt. Eine weitere Bereicherung in diesem Punkt ist das 1997 erschienene
Werk von Prof. Dr. Udo Hielscher "Die Entstehung der Eisenbahn in England",
Technologische, demographische & finanzielle Hintergründe dokumentiert
mit Historischen Wertpapieren - u.a. der Stockton and Darlington Railway und
der Liverpool and Manchester Railway Company.
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Ganz oben in der Bewertungsskala liegen neben den Uralt-Papieren großer Gesellschaften, den Inkunabeln des 17. und 18. Jahrhunderts, die Autografenzertifikate, wie z.B. die Standard Oil Companie mit der Originalsignatur von J. D. Rockefeller, der Kux des Ilmenauer Bergwerkes mit der Originalsignatur des Geheimrates Johann Wolfgang von Goethe (der große deutsche Dichterfürst zedierte in seiner Eigenschaft als Mitglied der Bergwerkskommission ) , die Aktie der Komischen Oper Wien mit der Originalsignatur des Walzerkönigs Johann Strauss Sohn, große Namen wie Commodore Vanderbilt, John Jacob Astor, John Paul Getty, Thomas Alva Edison, Charles Chaplin, Henry Ford, Henry Wells und William Fargo auf den Aktien der American Express Company und der große Bankier J.P. Morgan etc. gehören zu den Pretitiosen dieses Marktes. |
Gesammelt
wird nach unterschiedlichsten Motiven, vielfach nach Branchen von Automobilen über
Banken, Eisenbahnen, Metallgesellschaften, Versicherungen bis ZooAktien
(Zoologische
Gärten als Kapitalgesellschaften. von Armin Schmitz, Arne Metzger)
, national oder international.
Beliebt sind in Deutschland neben dem großen Gebiet der amerikanischen
Eisenbahn- und Industriepapiere, die zur Zeit in der Breite noch günstig
zu erwerben sind und an denen die Erschließung Amerikas hervorragend
nachzuvollziehen ist, und den dekorativen Wertpapieren aus Frankreich, Belgien
und Spanien, natürlich deutsche Wertpapiere.
So z.B. Deutsche Gründeraktien ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie symbolisieren
den Unternehmergeist der Gründerzeit und verknappen zunehmend. Entsprechend
zeigt sich hier eine positive Wertentwicklung bei großen Firmennamen,
gepaart mit Originalunterschriften und der Dekorativität der Exponate.
Gesucht werden z.B. Deutsche Bank Gründer oder Dresdner Bank Gründer,
bisher noch nie öffentlich angeboten. Wer eine solche Rarität besitzt
könnte sie locker in eine Luxuswagen der Spitzenklasse umtauschen.
Zu kaufen gibt es Historische Wertpapiere sowohl im unteren Bereich ab ca. DM 20,00 bis hin zum exklusiven Einzelstück. Spitzenreiter ist hier z.Zt. die Gründeraktie der legendären Standard Oil mit Originalunterschrift von J. D. Rockefeller. Diese Pretitiose durchbrach erstmals weltweit 1997 auf der 40. Tschöpe-Auktion im November 1997 in Düsseldorf die Schallmauer von DM 100.000,-
Aktuell: Im Januar 2000 wurde auf der R.M. Smythe Auction in Strasburg,
Pennsylvania, ein weiteres Gründerexemplar der Standard Oil offeriert
und nach heftigen Bietgefechten mit $ 120.000 zugeschlagen. Der Tschöpe-Rekord
hielt somit genau zwei Jahre. Die Wertsteigerung beträgt für diese
Autographenaktie rund 160%!
Rockefellers Gründeraktie der Standard Oil hält weiterhin Platz
eins mit rund DM 270.000 und wurde somit zur teuersten über eine
Auktion erworbenen Alt-Aktie der Welt.
Sammler gibt es weltweit rd. 12.000 - 15.000. Dieser Markt wird allein aufgrund der Seltenheit einzelner Exponate weiter expandieren . Zunehmend werden heute an den Börsen nur noch Buchwerte gehandelt, der Parketthandel eingestellt. Der eigentliche Druck der Aktienzertifikate sowie die Auslieferung an den Inhaber/Zeichner wird sich auf wenige Exemplare beschränken, aufwendig gestaltete Wertpapiere und gleichfalls Originalsignaturen auf denselben von den großen Industriemagnaten gehören der Vergangenheit an und haben ergo eine große Zukunft. !!
Historische Wertpapiere als Geldanlage? Nicht nur Börsenmanager nutzen ausgesuchte Historische Wertpapiere als langfristige Kapitalanlage.
Die zukünftige Preisentwicklung der einzelnen Exponate lässt sich folgendermaßen dokumentieren: Angebot, Nachfrage und Verfügbarkeit haben bei den einzelnen Exponaten zu einer teils rasanten Preisentwicklung geführt, andere Papiere stagnieren aufgrund der Verfügbarkeit oder wurden mit zunehmender Transparenz günstiger. Auf lange Sicht gesehen jedoch werden in diesem Markt übriggebliebene Relikte der Vergangenheit veräußert, die verglichen mit Münzen und Briefmarken, oftmals mit geringeren Ursprungsauflagen gedruckt wurden, aufgrund der Nummerierung im strengen Sinne alles Unikate sind, und die keinen Nachschub haben.
Denkt man an den bevorstehenden Währungswechsel in Europa, so haben selbst die DM-Wertpapiere der Nachkriegszeit **** (z.Zt. noch im untersten Preisgefüge) eine große Zukunft. Gleiches gilt für alle Wertpapiere aus den EG-Ländern.
Auch die von der Presse bereits viel zitierten Bestände des ehemaligen Reichsbanktresors in Berlin ( reichsbankschatz.de ), die demnächst in den Markt gebracht werden sollen, ändern hieran nichts. Sie geben sowohl dem Handel als auch den Interessenten und Sammlern die einmalige Möglichkeit, sich auf breiter Basis günstig einzudecken, was bisher speziell bei deutschen Papieren aufgrund mangelnder Verfügbarkeit in dieser Form noch nie möglich war und was in der Vergangenheit zu einer deutlichen Verlagerung des Marktes hin zu Auktionen und einem entsprechendem Preisniveau führte.
Heute steht der Handel in den Startlöchern und wartet ungeduldig auf die kommenden Reichsbankschätze, egal, ob lochentwertet oder abgestempelt, gut oder weniger gut erhalten. Jede Aktie oder Anleihe ist ein Original mit Ursprungauflage, Stücknummer und Geschichte.
Aktuell zum Thema Reichsbank:
Im Juni 2003 begann nun endlich die Vermarktung des Reichsbankschatzes und es ist genau das eingetreten war wir bereits vor mehr als drei Jahren prophezeit haben: Mit der ersten Reichsbankschatz-Auktion in Berlin im Juni wurden Großpositionen, von denen mehr als 1.000 Stücke im Banktresor lagen, von 900 Emittenten versteigert. 2150 verschiedene Emissionen ( 12,0 Mio. Aktien und Anleihen), die auf 680 Lots zusammengelegt waren, kamen unter den Hammer Bei einer Beteiligung von (neben Schrift- und Telefonbietern) rd. 500 Saalbesuchern und nach zum Teil heftigen Bietgefechten wurde das Angebot komplett versteigert. Es gab nicht ein Rücklos !!. Bei einer Ausrufsumme von rd. 1,2 Mio Euro erbrachte das Gesamtergebnis rd. 2.2 Mio. Euro. Ein sicheres Zeichen für die ständig steigende Nachfrage und das Wachstum unseres Sammelgebietes.
Folglich gibt es nun eine Fülle von Reichsbankpapieren, die erkennbar durch eine Lochung rechts oben oder, falls vorhanden, im Firmenlogo der Stücke, zu äußerst günstigen Preisen zu erwerben sind. Einige Beispiele, gekennzeichnet durch B = BAROV= Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen) finden Sie auf unseren Freiverkaufsseiten mit Bild und Firmengeschichte, zusätzlich in Klammern hinter der Ursprungsauflage die Angabe der Verfügbarkeit der gelochten Stücke, so u.a.
Zum Schluss noch ein Tipp:
Der Erwerb über den Fachhandel und über öffentliche Auktionen sichert dem Käufer ein Rückgaberecht bei berechtigten Reklamationen sowie eine profunde Firmenbeschreibung nebst Hintergrundinformationen.
Reinhild Tschöpe
© Auktionshaus Tschöpe